Oberflächen mit Tiefgang
Über die Dimensionen des (Papier-)Schöpfens
Sie heißen Kashmir, Savanna und Stone. Manche von ihnen vereinen die Farben des Waldes und den Duft von Bergwiesen – andere erinnern an den Frühling in der Provence. Allesamt eigenständige Persönlichkeiten: von bodenständig bis verrucht, von holzig bis wolkig, pur bis verspielt. Sie sind anschmiegsam, lassen sich streicheln – mit und gegen den Strich. Mit seinen Feinstpapieren aus Gmund entwirft und produziert Florian Kohler wandelbare Oberflächen mit Tiefgang ... im Einklang mit Natur und Umwelt.
Als Kopf der Büttenpapierfabrik in vierter Generation sieht Kohler sich nicht nur in Verantwortung gegenüber der Familien- und Unternehmenstradition, sondern auch im Bezug auf eine nachhaltige und ökologische, also saubere, Papierherstellung. Mit der Umwelt Charta ging Gmund einen drastischen wie konsequenten Schritt und legte als erste Papierfabrik einen neuartigen Umweltstandard fest. Damit bezieht das Unternehmen deutlich Stellung zu den vier Säulen des Umweltschutzes in der Papierindustrie – und zwar nicht nur auf dem naheliegenden Papier, sondern auch in der tatkräftigen Umsetzung: Der bewusste Umgang mit Wasser, Rohstoffen, Abfall und Energie führt zu konkreten und mehr als vorzeigbaren Ergebnissen.
Das verfärbte Produktionswasser wird mit Hilfe von Ozon ohne Zusatz von Chemikalien gereinigt und kann mehrmals wiederverwendet werden. So braucht es je Kilogramm Papier nur zwanzig Liter, bei herkömmlicher Produktionsweise rechnet man mit 150 Litern. Für die Produktion werden ausschließlich FSC-zertifizierte Rohstoffe eingesetzt, stammen also aus verantwortungsvoller Waldwirtschaft. Durch ein strenges internes Abfallminimierungsprogramm konnte die Abfallmenge innerhalb der letzten 10 Jahre um 82 % gesenkt werden. Mit eigenen Wasserturbinen, Kraft-Wärme-Kopplung und Solarkollektoren wird aus regenerativen Energiequellen 75 % des Stroms selbst erzeugt.
In seinem Vortrag verrät Florian Kohler, der sich primär nicht als Papierhersteller, sondern als Papierdesigner versteht, warum er die Umwelt als persönliches Hobby sieht und wie er es schafft, nicht nur gegen den Strom, sondern auch fernab der einheitsbreiigen Moralsuppe zu schwimmen.Einblicke in eine Arbeit, die Designer-, Ökonomen- und Ökologenherzen gleichsam höher schlagen lässt: sinnlich und sinnvoll, traditionell und innovativ, erfolgreich und authentisch.
